Was bedeutete es…

Was bedeutete es, in den 50er Jahren gesagt zu haben: „Sie dürfen niemals vergessen, daß ich Marxist und Sozialist bin“?

Leo Kofler und die „heimatlose Linke“ jenseits von Sozialdemokratie und Staatssozialismus von Frank Deppe, Marburg

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Genossinnen und Genossen!

Mit einigem Schrecken habe ich im Material zur Einladung gelesen, daß ich hier einen „Festvortrag“ halten soll. Ich verstehe meinen Vortrag eher als Beitrag zur notwendigen Aufarbeitung der Geschichte der Linken in den Hochzeiten des Kalten Krieges – dabei natürlich auch als einen Beitrag, der dem Wirken und der Person von Leo Kofler gewidmet ist. Dabei geht es nicht allein um die Erschließung und Interpretation historischer Quellen, sondern stets auch um die Frage, was uns heute noch die Person, ihr geistiges und politisches Wirken, zu sagen und zu bedeuten hat.

Ich werde diesen Vortrag in drei Teile gliedern. Im ersten Teil wird auf die historischen Fragestellungen eingegangen, auf die Situation der Linken sowie auf die Situation eines „marxistischen Einzel- und Grenzgängers“, wie Leo Kofler immer wieder bezeichnet wurde. Im zweiten Teil werde ich – sehr knapp – auf das Marxismusverständnis von Kofler eingehen. Im dritten Teil schließlich will ich (auch im Hinblick auf die Diskussionen dieser Tagung) versuchen, der Frage nachzugehen, was uns diese historisch-konkreten, lebensgeschichtlichen Erfahrungen sowie dieses mit der Person von Kofler verbundene Marxismusverständnis heute noch bedeuten können bzw. (normativ gefaßt) sollen.

Zur Situation der Linken in den 50er Jahren

Leo Kofler (über dessen Biographie Christoph Jünke morgen sprechen wird) kam 1950 mit seiner Frau aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland. Er gab seine Professur für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Halle auf und entzog sich einer drohenden Verhaftung. In Köln folgen die Jahre der Mittellosigkeit und der Diskriminierung. Als Marxist hatte er – in den 50er und den frühen 60er Jahren – keine Chance auf einen Lehrstuhl an einer westdeutschen Universität.

Wenn wir die Biographien von Kommunisten, Sozialisten, Marxisten etwas genauer betrachten, so handelt es sich in die Regel um Menschen, die vor 1945 gleichsam „durch die Hölle“ (sei’s im Konzentrationslager, im Strafbataillon, in der Illegalität etc., sei’s in der Emigration) gegangen waren und die nach dem Sieg über den Faschismus von großen Hoffnungen auf eine Neuordnung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse – vor allem in Deutschland – erfüllt waren. Diese Hoffnungen wurden für die meisten enttäuscht; und viele Biographien wurden nach 1947 – mit dem Beginn des Kalten Krieges (in Ost und West) – gebrochen. Leo Kofler wurde verfolgt und diskriminiert; aber er wurde als Marxist nicht gebrochen. So entstand der Typus des „Grenzgängers“ bzw. des „Einzelgängers“, der seine Position mit einem hohen Maße von Autonomie zu bestimmen hatte. Auch bei Wolfgang Abendroth, den ich ja nun viel besser kannte, gab es Brüche. Er war nach dem Kriege bei der SPD gelandet, obwohl er an seinen grundlegenden Ansichten über die Rolle der SPD in der Novemberrevolution, über ihren Anteil am Sieg des Faschismus, die er als Mitglied der KPD und – ab 1928 – der KPD-Opposition vertreten hatte, im Prinzip festhielt.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Trauerrede, die Frank Benseler bei der Beerdigung des Marburger Soziologen Heinz Maus hielt. Sie hat mich deshalb so beeindruckt, weil Benseler den Widerspruch zwischen den Positionen des Soziologieprofessors und des Sozialisten und Marxisten im repressiven politischen und ideologischen Klima des Kalten Krieges sehr schön herausgearbeitet hat. Heinz Maus war kein Held im Kampf gegen den Antikommunismus und die Restauration; er hatte viele Schwächen. Aber er gehörte doch gleichzeitig zu den wenigen, außergewöhnlichen Intellektuellen, die sich – auf ihre Weise – dem allgemeinen Trend der Anpassung und der Unterwerfung widersetzten und sich so auch ein Moment des moralischen Anstandes und des Widerstandes bewahrten.

Wie lassen sich die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in den 50er Jahren beschreiben, unter denen Leo Kofler und andere Linke den Anspruch auf Selbstbehauptung nur um den Preis der sozialen Ausgrenzung und der kulturellen Marginalisierung zu bewahren vermochten? Ich nenne nur einige Stichpunkte, um diese Zeit zu charakterisieren: vorerst der Kalte Krieg, die Systemkonkurrenz, die auf deutschem Boden besonders hart und heftig ausgetragen wurde. Dazu kommt das „Wirtschaftswunder“ – also jene Prosperitätskonstellation des (fordistischen) Nachkriegskapitalismus, die inzwischen als „Golden Age“ des Kapitalismus (etwa von 1948 bis Anfang der 70er Jahre) bezeichnet wird.

Dazu kommt, daß die Linke im Osten und im Westen eine Niederlage im Ergebnis der Nachkriegsauseinandersetzungen um die Neuordnung von Wirtschaft, Gesellschaft und Staat hinnehmen mußte. Im Westen scheiterte das Programm einer antifaschistisch-demokratischen Neuordnung (wie es nach 1945 von Sozialdemokratien, Kommunisten, Gewerkschaften, zunächst sogar von Teilen der Christdemokraten vertreten wurde). Bis spätestens Mitte der 50er Jahre (dann auch mit der erfolgreichen Remilitarisierung und der Eingliederung der Bundeswehr in die NATO) hatte die Restauration gesiegt. In der DDR waren bis zu diesen Zeitpunkt ebenfalls die Hoffnungen vieler Sozialisten und Kommunisten auf eine Überwindung der stalinistischen Traditionen durch die antifaschistische Neuordnung brutal enttäuscht worden. Die Namen derer, die die SBZ oder die DDR verließen (u.a. Wolfgang Abendroth, Leo Kofler, Ernst Bloch, Hans Mayer – dazu das Schicksal von Georg Lukacs nach 1956), stehen für das Scheitern dieser Hoffnungen in der Nachkriegszeit und im Kalten Krieg, damit auch für eine Niederlage der Linken.

Die politische Situation in der BRD ist einmal durch das KPD-Verbot von 1956, schon vorher (seit 1951) durch das Verbot der FDJ und durch das Wüten der politischen Strafjustiz gekennzeichnet. Die SPD hatte sich – bis zu ihrem Godesberger Programm (1959) – in ihrer Programmatik von der Klassen- zur Volkspartei weiterentwickelt, die die kapitalistische Wirtschaftsordnung und dann auch die Adenauersche Außenpolitik anerkannte. Sie bekannte sich jetzt zu einem Programm der Keynesianischen Wirtschaftssteuerung und des Ausbaus der Mitbestimmung. Die Gewerkschaften des DGB erlitten 1952 – in der Auseinandersetzung um das Betriebsverfassungsgesetz – jene Niederlage, die als Wende in der innenpolitischen Restauration anzusehen ist. Damit ist die Periode der Nachkriegsauseinandersetzungen weitgehend abgeschlossen.

Allerdings haben diese Auseinandersetzungen noch ein politisches und ideologisches Nachspiel, das für den Geist und das Klima der Zeit durchaus charakteristisch ist. Beim Frankfurter Gewerkschaftstag des DGB (1954) hielt Viktor Agartz, damals Leiter des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts des DGB (WWI, heute WSI), ein Grundsatzreferat. Agartz war Ökonom und verstand sich als Marxist; nach 1945 spielte er eine wichtige Rolle – sowohl in der SPD von Kurt Schumacher als auch im DGB von Hans Böckler. Er galt als „Chefideologie“. In der Rede von 1954 analysierte Agartz die Niederlage in den Nachkriegsauseinandersetzungen, verbunden mit einer scharfen Kritik der Politik der westlichen Besatzungsmächte und der Restauration der alten Machtverhältnisse – in der Wirtschaft ebenso wie in der Politik, die sich auch in der Kontinuität von Elitenherrschaft manifestierte. Agartz wollte mit diesem Referat strategisch das Bewußtsein für die Notwendigkeit der Reformulierung einer antikapitalistischen Gewerkschaftspolitik unter den Bedingungen der ökonomischen Prosperität und der gesellschaftspolitischen Weichenstellungen im Zuge der Restauration schärfen. Ich erwähne diese Rede auch deshalb, weil Theo Pirker berichtet, daß sich zur Vorbereitung dieser Rede in Köln Ernest Mandel aus Brüssel, der damals für die belgischen Gewerk-schaften arbeitete, Arkadi Gurland, Wolfgang Abendroth und Leo Kofler trafen [1].

Um das Klima dieser Zeit – in den Gewerkschaften – zu ermessen, muß man sich vergegenwärtigen, daß Viktor Agartz für seine Rede auf dem Frankfurter Gewerkschaftskongreß gleichsam mit „stehenden Ovationen“ gefeiert wurde, daß aber zur gleichen Zeit schon im DGB-Bundesvorstand – auf Druck von CDU-Gewerkschaftern um Oswald von Nell-Breuning, aber auch auf Druck des Ostbüros der SPD – darauf hingearbeitet wurde, Viktor Agartz aus der Leitung des WWI zu entfernen. Unmittelbar nach seiner Rede wurde er entlassen. Drei Jahre später stand er als Angeklagter vor dem Bundesgerichtshof – wegen landesverräterischer Beziehungen zur DDR und zur SED angeklagt, allerdings freigesprochen, weil die Beweislage nicht ausreichte. Seine Verteidiger waren Gustav Heinemann und Dieter Posser, die sich in den frühen 50er Jahren – mit einer eigenen Partei – gegen die Remilitarisierung engagiert hatten und dabei ebenfalls – von Adenauer u.a. – als „5. Kolonne Pankows“ denunziert worden waren [2]. Auch Wolfgang Abendroth spielte als Zeuge in diesem Prozeß eine wichtige Rolle.

Über die Entwicklung und die Niederlagen der sozialistischen Linken in der BRD schreibt Abendroth am Anfang der 60er Jahre: „Sozialistisches Denken ist in kleine Zirkel zurückgeworfen, die keinerlei größere gesellschaftliche Einflußmöglichkeiten besitzen und aus der Diskussion der offiziösen Presse und den öffentlichen Auseinandersetzungen der Machtträger in der Gesellschaft ausgeschaltet sind“ [3]. Leider interessieren sich Historiker noch nicht für die – aus heutiger Sicht – durchaus bunte Landschaft von linken Zeitschriften und Zeitungen in dieser Zeit [4].

Leo Kofler hat z.B. viel in der von Gerhard Gleissberg herausgegebenen Anderen Zeitung geschrieben. Gleissberg war Chefredakteur des Vorwärts der SPD und wurde 1954 aus der Partei ausgeschlossen. Die Andere Zeitung wurde – so ist anzunehmen – aus der DDR finanziell unterstützt; aber das waren nicht die schlechtesten Formen internationaler Solidarität (wenn zusätzlich berücksichtigt wird, welche Organisationen und Personen in der DDR vom Westen aus finanziell unterstützt wurden, nicht nur die Evangelische Kirche). In Köln gab es noch die „Sozialistische Politik“, die von Georg (Schorsch) Jungclas, einem der führenden Köpfe des Trotzkismus in Westdeutschland, gemacht wurde. Peter von Oertzen, Wolfgang Abendroth, Theo Pirker, Erich Gerlach schrieben in dieser Zeitschrift – ich nehme an, daß auch Leo Kofler unter den Autoren vertreten war. Es gab die WISO-Korrespondenz von Viktor Agartz u.a., es gab die von Fritz Lamm in Stuttgart herausgegebene Zeitschrift „Funken“. Seit dem Ende der 50er Jahre gab es die theoretische Zeitschrift „Das Argument“ (aus Westberlin) und die „Neue Kritik“ des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), die sich nach dem Unvereinbarkeitsbeschluß der SPD-Führung gegenüber dem SDS (1961) zu einem wichtigen Organ der intellektuellen Linken entwickelte.

In diesen Jahren wurden die Linken zum Teil aus der SPD „entfernt“ (siehe „Unvereinbarkeitsbeschluß“). Sie überlebten z. T. in der Arbeiterjugendbewegung, z.B. bei den Naturfreunden (z.B. Klaus Vack, in den 60er Jahren Sekretär der „Kampagne für Abrüstung“-Ostermarsch, dann Komitee für Grundrechte und Demokratie; oder Helmut Schauer, in den 60er Jahren SDS-Vorsitzender, heute in der Tarifabteilung bei der IG Metall und bei unseren Initiativen für die Bildung einer Gewerkschaftslinken dabei). In den Gewerkschaften wurden Positionen der Linken gehalten – z.B. bei der IG Druck und Papier, bei der IG Metall, aber auch bei der ÖTV und der IG Chemie, die zu dieser Zeit eine eher „linke“ Gewerkschaft war. Hier gab es einige haupt- oder ehrenamtliche Funktionäre, die vor 1933 der KPO, der SAP oder der KPD angehört hatten, die der SPD und vor allem ihrer „Godesberger Linie“ gegenüber mißtrauisch oder ablehnend waren und die auch nach dem Unvereinbarkeitsbeschluß sowohl den SDS als auch den „Sozialistischen Bund“ (Heinz Brakemeier u.a.) unterstützen, die aber vor allem in den innergewerkschaftlichen Auseinandersetzungen mit den von Georg Leber angeführten rechten Kräften im DGB kapitalismuskritische und radikaldemokratische Positionen verteidigten (z.B. in der Auseinandersetzung um die Notstandsgesetze seit Anfang der 60er Jahre).

Die Kommunisten waren nach dem Parteiverbot in die Illegalität abgedrängt. Sie leisteten gute Gewerkschaftsarbeit – vor allem über die kommunistischen Betriebsräte -, und sie engagierten sich in der Friedensbewegung, d.h. bei den Ostermärschen, die sich ab Anfang der 60er Jahre (Kampagne „Kampf dem Atomtod“) zu einer immer stärkeren Bewegung entwickelten. Im gleichen Zeitraum wurde der SDS zu einer lebendigen, linkssozialistischen Organisation junger Intellektueller, aus der sich ein beträchtlicher Teil der „Kader“ der später so genannten Außerparlamentarischen Opposition und der Studentenbewegung von 1968 herausbildete [5]. Daß Leo Kofler dann endlich Anfang der 70er Jahre in Bochum eine Honorarprofessur bekommt, ist ein Resultat dieser Veränderungen, die sich seit den frühen 60er Jahren anbahnen.

Ein Wort noch zur Bedeutung der sog. „Zwischengruppen“ und der Persönlichkeiten, die durch sie politisch geprägt waren. Als Zwischengruppen bezeichnen wir diejenigen Organisationen oder Zirkel, die sich – zuerst vor 1933 – zwischen KPD und SPD definiert haben: z.B. die „rechten Kommunisten“ der KPO (um Brandler und Thalheimer), die linken Sozialdemokraten der SAP, die Gruppe „Neu Beginnen“ im antifaschistischen Widerstand. Viele der „Grenzgänger“ zwischen sozialdemokratischem „Opportunismus“ und Stalinismus kamen aus diesen Zwischengruppen. Leo Kofler wurde durch den Austromarxismus geprägt, der auf jeden Fall nach 1934 – vor allem über die Position des „integralen Sozialismus“ beim späten Otto Bauer – auch in die Tradition der sog. Zwischengruppen hineingehört. Nach 1945 sind die meisten Genossinnen und Genossen aus diesen Zwischengruppen vor 1933 wieder zur KPD/SED oder zur SPD im Westen gegangen, waren aber bald enttäuscht, und viele wurden wieder von den großen Apparaten „ausgespuckt“. Seit den frühen 60er Jahren – in einigen Ländern aufgrund der Spaltung der kommunistischen Parteien nach Ungarn 1956 – gab es wiederum „Zwischenparteien“ (wie die Sozialistische Volkspartei in Dänemark, der PSU in Frankreich und der PSIUP in Italien – Lelio Basso). Diese hatten – zusammen mit der sog. New Left -Strömung aus Großbritannien – erheblichen Einfluß auf die Politisierung der Intellektuellen in den 60er Jahren (Sartre, de Beauvoir, Lefebvre, André Gorz u.a. in Frankreich; die Gramsci-Debatte im PCI; der Trotzkist Ernest Mandel aus Belgien; Ralph Miliband, Leo Panitch, Perry Anderson, E. P. Thompson u.a. aus Großbritannnien, Herbert Marcuse, Wolfgang Abendroth, Leo Kofler u.v.a.).

Leo Kofler – so können wir im Anschluß an die Epocheneinteilung bei Eric Hobsbawm sagen – ist ein typischer Repräsentant des „Zeitalters der Katastrophen“, das mit dem Ersten Weltkrieg und der russischen Oktoberrevolution beginnt, sich über die Weltwirtschaftskrise und den Faschismus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges erstreckt. Leo Kofler war Austromarxist – aber doch auch durch die Oktoberrevolution und durch den Leninismus geprägt. Was hat diese Generation angetrieben? Was hat sie in die Lage versetzt, jene Leiden und Verfolgungen auszuhalten, denen die meisten von ihnen ausgesetzt waren? Ich denke, es war die Kraft eines großen Glaubens, der zur Gewißheit geworden schien: daß nämlich das 20. Jahrhundert unvermeidlich das Jahrhundert des Übergangs zum Sozialismus, d.h. zu einer humaneren und klassenlosen Gesellschaft sei.

Karl Kautsky hatte in seinem Buch „Der Weg zur Macht“ (1910) am Schluß den Übergang in eine neue Etappe der kapitalistischen Krisen, der Klassenkämpfe und der proletarischen Revolution vorausgesagt – und mit den Worten geschlossen: „Glücklich jeder, der berufen ist, an diesem erhabenen Kampfe teilzunehmen“. Darin drückt sich u.a. jener so starke Glaube an den bevorstehenden Sieg des Sozialismus aus. Kautsky konnte nicht ahnen, welche Rückschläge, individuelle Leiden und Prüfungen auf die Sozialistinnen und Sozialisten ab 1914 warten sollten. Immer wieder haben Genossen wie Leo Kofler oder auch Wolfgang Abendroth ihre Hoffnungen darauf gesetzt, daß es in der Sowjetunion zu einer Korrektur des Stalinismus kommen würde. Abendroth z.B. hat uns in den 60er Jahren auf das Buch von Isaac Deutscher „Die unvollendete Revolution“ – Vorlesungen zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution im Jahre 1967 – hingewiesen. Darin vertrat Deutscher die Auffassung, daß in der Sowjetunion nach Stalin noch die Chance besteht, daß mit der Hebung des Bildungsniveaus und der Qualifikation der Arbeiterklasse diese die Herrschaft der Bürokratie beseitigen kann. Leo Kofler hat in den 80er Jahren immer wieder von seinen großen Hoffnungen in bezug auf die „Perestroika“ von Michail Gorbatschow gesprochen. Die Genossen, die am Ende des Ersten Weltkrieges in die sozialistische und kommunistische Bewegung eingetreten sind, haben solche Hoffnungen niemals aufgegeben. Sie klingen auch in einem Artikel von Leo Kofler mit dem Titel „Ist der Marxismus überholt?“ aus dem Jahre 1956 an. Dort schrieb er: „… und deshalb kann man sagen, daß ebenso wie das herrschende Bürgertum kein Interesse zeigt an grundlegenden Veränderungen der Gesellschaft, das Proletariat, sofern es sich seiner wahren Situation bewußt wird, nach einer Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse streben muß. Wie weit sich dieses Bewußtsein herausbildet und welche Formen es annimmt, ist nur eine Frage der Umstände und der Zeit, aber nicht des Prinzips. Letztlich siegt stets das Prinzip über die Zeit“.

Leo Koflers Marxismusverständnis

Ernst Bloch bemerkte einmal, Leo Kofler habe sich im Sinne von Georg Lukacs um die Wiederbelebung einer marxistischen Dialektik bemüht. Dieser Prozeß betont stets auch die Bedeutung des Bewußtseins und der Theorie, also der subjektiven Seite des Gesamtprozesses progressiver Veränderungen. In der Einleitung zur Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft lesen wir: „Wir kommen zu dem Resultat, daß Geschichte wahrhaft nur in der Form der Subjekt-Objekt-Beziehung begreifbar wird, die sich ihrerseits aber nur entwickeln kann durch den menschlichen Kopf hindurch. Durch das Bewußtsein, dessen nicht nur vornehmstes, sondern für die Selbstverwirklichung der Geschichte auch unentbehrliches Kind der abstrakte Geist und seine Erzeugnisse sind“.

Den Marxismus hat Kofler verstanden als „integrale Wissenschaft vom Gesamtzusammenhang, von der Totalität unserer Gesellschaftsformation“. Es gibt keine marxistische Festkörperphysik und auch keine marxistische Ökologie. Aber in welchen Zusammenhang der Naturwissenschaft und/oder der Soziologie und der Ökonomie das eine oder das andere gestellt und betrachtet wird, gerade dies macht die Qualität und Leistung marxistischer Methodik aus. Kofler vertrat auch die „feste Überzeugung, daß der Marxismus klassisch geworden ist in dem Sinn, daß er eingedenk seiner notwendigen Weiterentwicklung eine brauchbare und die Totalität der Verhältnisse ergreifende Methode geworden ist, mit dem das, was in den modernen kapitalistischen Gesellschaften dem bloßen Auge des Beobachters verborgen bleibt, wissenschaftlich sichtbar und erklärt werden kann, durch welche Enthüllungen erst praktisches Handeln möglich wird“.

Im Jahre 1957 schrieb er einen Artikel für die Theoriezeitschrift der SPD Neue Gesellschaft über ethischen und marxistischen Sozialismus. Darin setzte er sich mit Position von Leonhard Nelson auseinander; gleichzeitig aber auch mit Willi Eichler, Herausgeber der Neuen Gesellschaft und Schüler von Nelson. Kofler schrieb: „Die wichtigste methodische Leistung der Marxschen Gesellschaftslehre besteht darin, die Erscheinungen, die in unendlicher Vielfalt, Verschiedenheit und Gegensätzlichkeit in der Geschichte auftreten, als Momente eines zur Einheit gefügten Prozesses verstehbar zu machen. Die für die Gesellschaftstheorie grundlegende Frage, wie das Begreifen der geschichtlichen Vielfalt als Einheit möglich ist, hat Marx als erster und einziger beantwortet“.

Von diesen allgemeinen Bestimmun-gen seines Marxismusverständnisses – in der Tradition des Denkens von Georg Lukacs – läßt sich auch seine Kritik des Stalinismus herleiten. Neben der politischen Kritik des Stalinismus, des Terrors und der Bürokratie beharrt Kofler stets auf der philosophischen Kritik, die die Zerstörung des Marxismus als einer lebendigen „Philosophie der Praxis“ (wie Gramsci formulierte) durch den Stalinismus in den Mittelpunkt stellt. Stalinistisches Denken ist mechanistisch, positivistisch und ökonomistisch. Wenn Kofler von der Totalität als Erkenntnisgegenstand spricht, so meint er damit nicht allein den Blick auf die Gesellschaft und die Geschichte, sondern auch das Verhältnis des Marxismus zu den Subjektwissenschaften, vor allem zur Psychologie und zur Sozialpsychologie – und dabei wiederum die Bedeutung des „subjektiven Faktors“, die Kofler schon bei seinen ersten Bestimmungen der marxistischen Dialektik hervorgehoben hat: die eigenständige Bedeutung der Theorie und des handelnden Subjekts.

Verändernde Praxis, fortschrittliches Handeln von Menschen und Menschengruppen ist undenkbar ohne fortschrittliche Theorie und permanente Theoriearbeit. Diese Arbeit wird von Führungsgruppen, ja von Eliten geleistet [6]. Das Ideal von Kofler (und hier spielt seine Herkunft aus dem „roten Wien“ der 20er Jahre gewiß eine Rolle) war freilich der „Volkstribun“, der intellektuell gebildete Funktionär, der mit den Massen kommuniziert [7]. Dabei wird immer wieder deutlich: Theorie wird nie als abstrakte Reflexionsarbeit, sondern stets als Vermittlung theoretischer Arbeit, als Schulung und Bildungstätigkeit in der Arbeiterbewegung, im politischen und gewerkschaftlichen Kampf selbst begriffen. Der oft wiederholte Satz, daß die dialektische Methode die Seele des ganzen Marxschen Systems sei (ein Satz, auf den auch Ernst Bloch anspielt), gewinnt in diesem Kontext seinen Sinn. Aus diesem Marxismusverständnis leitet sich zugleich Koflers Kritik der Frankfurter Schule ab. Zwei Punkte sind dabei besonders wichtig:

1. Die für die Frankfurter Schule – seit ihrer Entstehung in den späten 20er Jahren – selbstverständliche Trennung von Theoriearbeit und politischer Praxis, die sich – vor allem nach der Rückkehr nach Frankfurt in den 50er Jahren – immer mehr zu einer dezidierten Ablehnung des Bezuges von Theorie zur konkreten politischen Praxis der politischen Linken steigert. Das schließt auch das distanzierte Verhältnis von Horkheimer und Adorno nicht nur zu Kofler, sondern auch zu Abendroth ein.

2. Kofler kritisierte die Überhöhung der ideologischen und kulturellen Dimensionen der Reproduktion und Stabilisierung des Kapitalismus in den Schriften der „Frankfurter“. Ihren Pessimismus hinsichtlich der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft, der Geschichte überhaupt und – daraus abgeleitet – ihre These von der Dialektik des Fortschritts und der Naturbeherrschung vermochte er nicht zu teilen.

Wenn Kofler die Sozialdemokratie und die Entwicklung bei den Gewerkschaften kritisiert, kommt er immer wieder auf die These von der „Verbürgerlichung der Arbeiterbewegung“ zurück. Er schrieb: „Es ist eine gewisse Verbürgerlichung eingetreten, aber nicht der Arbeiter, sondern ihrer Organisationen“. Hier blieb er – so würde wir heute rückblickend sagen – Optimist, der sagte: „Ich habe immer die Ansicht vertreten, daß der Arbeiter in seiner primitiven Mentalität und in seinem Selbstbewußtsein durchaus Restbestände authentischen Arbeiterdenkens und -verhaltens sich erhalten hat“. Diese Auffassung reflektiert natürlich auch die Tatsache, daß Kofler bei seinen zahlreichen Auftritten im Rahmen der gewerkschaftlichen Schulungs- und Bildungsarbeit in den 50er Jahre stets auch den klassenbewußten „Restkadern“ aus der Arbeiterbewegung begegnet ist. In dem autobiographischen Gesprächsband [8] (1987) wird ihm die folgende Frage gestellt: „Sie vertreten also die Ansicht, daß Schulung, ein mittlerweile diskreditierter Begriff, es der Arbeiterbewegung erst ermöglicht, die Partei- und Gewerkschaftsmitglieder zu aktivieren und von der Ebene des un- oder halbbewußten Alltagsverstandes herauszuführen?“. Leo Kofler antwortet: „Ja, und das gilt insbesondere in Zeiten des Rückfalls und eben der Verbürgerlichung der Organisationen der Arbeiterbewegung. Etwas überspitzt könnte man sagen, daß in Zeiten der Defensive und des Niedergangs der Arbeiterbewegung die Schulung und Bildung die eigentliche Praxis der Arbeiterbewegung par excellence ist“.

Und heute?

Was bedeutet uns heute die Beschäftigung mit dem Werk von Kofler? Wir ehren eine große, mutige und gradlinige Persönlichkeit, einen großen Denker und Kämpfer! Damit arbeiten wir zugleich gegen jene systematische Verdrängung der Geschichte, die heute vor allem bei den jüngeren Generationen zu wirken scheint. Und wir wehren uns am Ende des Jahrhunderts, indem wir mit Leo Kofler einen bedeutenden Sozialisten und Humanisten ehren, zugleich gegen jene Tendenz, die gesamte Geschichte des Sozialismus und Marxismus im 20. Jahrhundert – im Sinne von „Schwarzbüchern“ – zu kriminalisieren.

Wie heute hat es immer wieder Perioden in der Geschichte gegeben, in denen die herrschenden Kräfte übermächtig erschienen, in denen die progressiven Kräfte scheinbar völlig marginalisiert und atomisiert waren. Denken wir nur an die Generation von Leo Kofler und anderen und an deren Erfahrungen bis zum Ende der 30er Jahre: In ganz Europa hatte der Faschismus gesiegt – die Linken werden gejagt und verfolgt, sofern sie den Lagern entgehen. Dazu die Niederlage im Spanischen Bürgerkrieg und die Welle der stalinistischen Prozesse in der Sowjetunion. Wo sollte da noch Hoffnung auf einen Neubeginn oder gar auf einen Sieg über die Kräfte der Reaktion sein? Die Beschäftigung mit der Geschichte kann uns lehren, daß auch solche Perioden der scheinbaren Hoffnungslosigkeit immer wieder abgelöst wurden durch Perioden des Kampfes um fortschrittliche Antworten. Darin zeigt sich eben auch, daß die Geschichte kein Naturprozeß ist, sondern von Menschen gemacht wird, daß Menschen geschichtlich gemachte und gewordene Herrschaftsverhältnisse verändern können …

Hier können wir direkt an einen Satz von Leo Kofler anschließen: In Zeiten des Niedergangs und der Defensive des Sozialismus ist Schulung besonders wichtig. Wir befinden uns gegenwärtig in einer solchen Periode des Niedergangs und der Defensive – möglicherweise in einer Periode, von der Historiker später einmal sagen werden, daß die Geschichte des Sozialismus in Europa nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion (1991) langsam „ausgelaufen“ ist, keinen neuen Anlauf zur Regeneration unternommen hat [9]. Die Linke ist heute auf jeden Fall schwächer als vor 50 Jahren – und zwar vor allem die traditionelle, marxistische Linke der sozialistischen und kommunistischen Arbeiterbewegung. Außerdem haben die kritischen, linken Intellektuellen (von denen es sehr viel weniger gibt als noch vor ca. 20 Jahren) kaum noch Beziehungen zur Arbeiterbewegung [10] und zum Klassenkampf. Und schließlich sind die großen Intellektuellen der Arbeiterbewegung dieses Jahrhunderts – von denen Leo Kofler einer gewesen ist – inzwischen selbst zu historischen Gestalten geworden. Für unsere Generationen waren sie noch große Lehrer und Vorbilder. Wir selbst reagieren gelegentlich etwas hilflos auf die Frage, wo eigentlich heute – im Sinne des Sozialismus – solche Vorbilder für die nachwachsenden, jungen Generationen wirken.

Aktualität des Marxismus

Dennoch denke ich, daß marxistische Theoriearbeit, sozialökonomische und historische Analysen, im Zusammenhang der kritischen Auseinandersetzung mit den herrschenden gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen, aber auch den herrschenden Ideologien und Kulturen dringend notwendig sind. Der akademische Marxismus ist hierzulande – etwa im Vergleich zu den 70er Jahren – sehr viel schwächer geworden. Gleichwohl gibt es nach wie vor ein relativ breites Spektrum an Zeitschriften, Verlagen, Zirkeln und Projekten (z.B. das Projekt des von Wolfgang Fritz Haug herausgegebenen „Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus“ in Berlin), die Kontinuität und Erneuerung des marxistischen Denkens fördern können.

Wenn ich nun einige Felder benenne, auf denen solche Analysen dringend gefordert sind, muß ich mich natürlich auf knappste Stichworte (zur Illustration) beschränken:

– Die Kritik der politischen Ökonomie halte ich für den Kernbestand des wissenschaftlichen Systems von Marx. Aus der Realität der kapitalistischen Entwicklung und ihrer Widersprüche drängen sich immer wieder Fragestellungen auf, die den Rekurs auf die Analysen des „Kapital“, aber auch deren Weiterentwicklungen – z.B. im Rahmen der Imperialismusanalysen – möglich und notwendig machen. Heute sind vor allem Analysen zu den Widersprüchen der „Globalisierung“ (Weltmarkt) auf der einen sowie zur Spezifik eines Akkumulationsregimes, das bei steigender Produktivität zugleich gewaltige „Freisetzungen“ von lebendigem Arbeitsvermögen erzeugt, auf der anderen Seite notwendig. Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf z.B. haben auf diesem Gebiet in den letzten Jahren wichtige Analysen erarbeitet.

– Die Analyse sozialer Ungleichheit und der damit verbundenen gesellschaftlich-politischen Machtverhältnisse, also die Klassenanalyse, halte ich für keineswegs überholt – obwohl bei den heutigen hegemonialen Strukturen im Wissenschaftssystem die Marx’sche Klassentheorie sowie die auf den neuesten Stand gebrachte Klassenanalyse marginalisiert und diskreditiert („toter Hund“) sind. Natürlich müssen wir uns von bestimmten Mythen der traditionellen Klassentheorie (über die Struktur und Rolle des industriellen Proletariats) verabschieden, die Veränderungen von Sozialstrukturen (Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft) sowie von sozialen Milieus genau zur Kenntnis nehmen. Es bilden sich neue Prozesse der Klassenformierung im globalen Kapitalismus (sowohl im Hinblick auf eine transnationale Bourgeoisie und die Rolle einer „neuen Mittelklasse“ als auch im Hinblick auf die Herausbildung einer neuen „underclass“). Besonders wichtig scheint mir, daß wir uns stärker mit der Analyse von hegemonialen Machtkonstellationen sowie mit der Kritik von Klassenpolitik (also z.B. Neoliberalismus) befassen. Der sog. „Neogramscianismus“ auf dem Gebiet der internationalen Politik und der globalen politischen Ökonomie (z.B. Robert W. Cox aus Kanada und Kees van der Pijl aus Amsterdam) hat hier in den letzten Jahren wichtige Arbeiten vorgelegt.

– Die Kritik des kapitalistischen Staates ist nach wie vor ein zentrales Thema des Marxismus (vgl. dazu z.B. die Arbeiten von Bob Jessop und Joachim Hirsch). Die marxistische Staatstheorie unterscheidet sich von anderen dadurch, daß sie die politischen Herrschaftsformen auf die jeweiligen materiellen gesellschaftlichen Bedingungen, auf die Produktions- und Klassenverhältnisse im Kapitalismus zurückführt. Solche Fragestellungen sind den in der Politikwissenschaft an den Universitäten (z.B. auf dem Felde des Institutionalismus und der sog. policy-Forschung) vorherrschenden Trends völlig fremd – und darin ist schon das Moment des Ideologischen, des Affirmativen angelegt. Wir müssen heute die Ausgangsfragestellungen der Marxschen Staatstheorie reformulieren im Hinblick auf die Transformation des Nationalstaates im Kontext der Globalisierung („Wettbewerbsstaat“) und auf die Veränderung seiner Funktion (Repression/Integration) als Folge der Abschwächung des nationalen wie des internationalen Klassenkampfes in der gegenwärtigen Epoche.

– Das weite Feld der Kulturkritik, das auch für die Arbeiten von Leo Kofler eine wichtige Rolle gespielt hat. Die Kritik der Entfremdung, der Vereinzelung in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft, die neue Rolle der Medien und die neue Stufe der (kapitalistischen) Verwertung von Kultur (die längst weit über das hinausgewachsen ist, was Horkheimer und Adorno 1944 noch als „Kulturindustrien“ bezeichneten), dazu die kritische Auseinandersetzung mit der Kultur und Ideologie der „Post-moderne“ (und all den Nietzsche-, Heidegger-, Carl Schmitt-, Ernst Jünger-Renaissancen etc., die sie hervorgebracht hat). Perry Anderson hat gerade (1998) ein Buch mit dem Titel „The Originis of Postmodernity“ veröffentlicht, in dem er insbesondere den Beitrag des marxistischen US-amerikanischen Literaturwissenschaftlers Frederic Jameson hervorhebt.

– Schließlich zeichnet sich der Marxismus dadurch aus, daß er stets im Zusammenhang praktischer Kämpfe und Widerstandsformen gegen bestehende Herrschaftsverhältnisse steht. Mit der Formel von der Einheit von Theorie und Praxis ist in der Geschichte des Marxismus (vor alle bei den marxistisch-leninistischen Staatsparteien) viel Unfug getrieben worden. Gleichwohl besteht die Spezifik marxistischer Theoriearbeit darin, daß sie sich stets auch auf reale Konstellationen des Konfliktes, des Kampfes und des Widerstandes in der (globalen) Klassengesellschaft bezieht. Der Ort des Intellektuellen, der solche Theoriearbeit leistet, sollte nicht – wie noch zu Beginn des Jahrhunderts – schematisch „der Arbeiterklasse“ zugeordnet werden. Und doch muß dieser Ort mit den realen Lebensbedingungen und Kämpfen der „Subalternen“ (und den Organisationen, die dieser Kampf erzeugt hat) vernetzt sein.

Aktualität des Widerstandes

Der gewaltige Optimismus, der die sozialistische Arbeiterbewegung am Anfang dieses Jahrhunderts inspiriert hat, besteht an seinem Ende nicht mehr. Viele derjenigen, die an den großen Auseinandersetzungen dieses Jahrhunderts der „Extreme“ (Hobsbawm) teilgenommen und sie überlebt haben, blicken mit Bitterkeit zurück und vertreten mit Blick auf die Zukunft eher skeptische und pessimistische Auffassungen. Dennoch bin ich der Überzeugung, daß die Realität der Entwicklungswidersprüche des globalen, kapitalistischen Systems selbst immer wieder die Notwendigkeit der theoretischen und praktischen Kritik dieser Verhältnisse, die Notwendigkeit des Widerstandes gegen Barbarei und für Emanzipation erzeugen. In diesem Zusammenhang wird es dann auch immer wieder zur Aneignung der Marxschen Theorie und der dialektischen Methode im Sinne Leo Koflers kommen.

Im Wissenschaftssystem sind heute Positionen des Marxismus weitgehend marginalisiert. Progressives Denken, daß auf die kritische Aneignung der Totalität kapitalistischer Vergesellschaftung und ihrer Geschichte zielt, steht allemal unter dem Verdacht des Totalitarismus. In den Sozialwissenschaften haben traditionelle Fragestellungen und Methoden einer kritischen Gesellschaftsanalyse, die die vielfältigen Vermittlungsformen zwischen der „Basis“ des kapitalistischen Produktions- und Reproduktionsprozesses auf der einen und den Klassenverhältnissen, dem politischen System sowie von Kultur und Wissenschaft auf der anderen Seite thematisieren, kaum noch einen Platz. Statt dessen hat ein Methodenfetischismus triumphiert, der seinerseits auf theoretischen Prämissen beruht, die wiederum in hohem Maße von Grundsatzpositionen des liberalen und neoklassischen Denkens in der Ökonomie – z.B. bei F. A. Hayek – abgeleitet sind [11]. Der Siegeszug des sog. „rational choice“-Ansatzes in den Sozialwissenschaften erinnert einerseits an die Marxsche Kritik der „Robinsonaden“ im bürgerlichen Denken, andererseits erinnert es uns immer wieder an die US-amerikanische Hegemonie, die sich nicht nur über die NATO manifestiert, sondern vor allem im Wissenschaftssystem wirkt.

Es gibt aber auch Kontrapunkte. Ich denke dabei z.B. an den amerikanischen Philosophen Richard Rorty, der aus der Tradition der amerikanischen Philosophie des Pragmatismus kommt. Rorty hat vor einiger Zeit begonnen, die amerikanischen Intellektuellen, die linken „Academics“, scharf zu kritisieren. Deren Debatten über Foucault, Poststrukturalismus, Geschlechterdifferenz usw. seien Ausdruck einer tiefgreifenden Isolation und Entfremdung dieser Akademiker gegenüber den wirklichen sozialen Problemen der US-amerikanischen Gesellschaft. Die Intellektuellen – so fordert er – müssen zurückfinden zur Klassenanalyse und zum Klassenkampf; denn nur so können sie jene Entfremdung, die seit der Opposition gegen den Vietnam-Krieg gegenüber der US-amerikanischen Arbeiterklasse eingetreten sei, produktiv überwinden [12].

Natürlich hat die Aktualisierung solcher Ideen etwas zu tun mit den wirklichen sozialen Konflikten, die der heutige Kapitalismus erzeugt. Das betrifft nicht allein die gewaltigen Klassenspaltungen in der US-amerikanischen Gesellschaft, sondern auch die Tatsache, daß es gerade in den letzten Jahren in den USA Ansätze für eine Neubelebung des Klassenkampfes und auch für eine kämpferische Neuorientierung der Gewerkschaftspolitik gegeben hat. Dafür stand nicht allein der UPS-Streik des Jahres 1997 – insgesamt hat die Streiktätigkeit in den USA (und in anderen Ländern) zugenommen [13].

Natürlich besteht auch hier kein Anlaß zu übertriebenem Optimismus. Dennoch zeigt sich an diesem Beispiel, wie Klassenkämpfe „von unten“ und intellektuelle Diskurse „von oben“ sich wechselseitig konstituieren. Das trifft auf jeden Fall auch für die ungewöhnliche Rolle zu, die der französische Soziologie Pierre Bourdieu in den vergangenen Jahren im Wissenschaftssystem, aber auch in der politischen Kultur Frankreichs – als radikaler linker Kritiker des Neoliberalismus und des heutigen globalisierten Kapitalismus sowie des „Einheitsdenkens“ (pensée unique) – eingenommen hat. Einige Beobachter sprechen von der Wiedergeburt des „großen Intellektuellen“, der in der politischen Kultur Frankreich seit der Dreyfus-Affaire eine so außergewöhnliche Rolle gespielt hat [14]. Auch hier ist es unabdingbar, den Zusammenhang zwischen der Dynamik der sozialen Widersprüche und Kämpfe auf der einen und der Rolle von Pierre Bourdieu und anderer kritischer Intellektueller zu sehen. Die spektakuläre Intervention von Bour-dieu begann mit seiner Rede vor Streikenden in Paris im Dezember 1995 [15]. Diese Bewegungen und die neuen intellektuellen Diskurse haben auf jeden Fall zur Veränderung des politischen Klimas in Frankreich erheblich beigetragen. Die Linksregierung seit 1997 ist auf jeden Fall ein – ich betone: ein – Ergebnis dieser Transformationen, die zwar nur schwach auf die französischen Nachbarländer ausgestrahlt haben, die uns aber zugleich vor Augen führen, daß die unbedingte Hegemonie des Neoliberalismus und der mit seiner Herrschaft verbundenen Denkformen keineswegs unveränderlich ist. Die Themen der Veröffentlichungen, die Bourdieu und seine Mitarbeiter in den letzten Jahren – mit großem Erfolg – verbreitet haben, zeigen uns zugleich, in welchen Bereiche heute ein enormer Nachholbedarf an kritischen – auch an marxistischen – Analysen besteht: die Macht des Fernsehens, das Elend in der Welt, die neue Armut in den kapitalistischen Metropolen, neue Formen der Kontrolle und Repression im elektronischen Zeitalter, die neue Barbarei der Kriege (nicht nur in Jugoslawien).

Arbeitsfelder

Wir brauchen dringend Analysen der weltwirtschaftlichen Entwicklung, der Wellen der transnationalen Konzentration und Zentralisation des Kapitals sowie der damit verbundenen – und sich häufenden – ökonomischen Krisenprozesse (der Finanzkrisen ebenso wie der regionalen Krisen: in Rußland, Ostasien und im Mercosur). Dazu stellt sich nicht erst seit dem Kosovo-Krieg die Frage, welche Rolle die Militärausgaben in den USA (aber auch in den führenden Staaten Westeuropas) für die partielle Lösung von Problemen der ökonomischen Stagnation und Überakkumulation haben. Der Aachener Ökonom Karl Georg Zinn hat in den letzten Jahren immer wieder darauf hingewiesen, daß der Kapitalismus des 20. Jahrhunderts seine bisher schwerste Wirtschaftskrise – seit dem Ende der 20er Jahre – schließlich nicht durch Beschäftigungs- und Sozialprogramme, sondern durch Aufrüstung und Krieg überwunden habe [16]. Besteht hier ein Zusammenhang zwischen dem ökonomischem Boom der 90er Jahre in den USA und den gewaltigen Ausgaben für die Umstellung der Militärtechnik – nicht nur auf den neuesten Stand der Elektronik, sondern vor allem auch auf den „neuesten Stand“ der Konflikte und der Militärinterventionen (wie sie von der neuen NATO-Strategie ausdrücklich genannt werden) in der Welt?

Eine weitere wichtige Frage betrifft die politischen Veränderungen, die wir – vor allem innerhalb der EU – seit der Mitte der 90er Jahre erleben. Ich meine die Sozialdemokratisierung Europas und die damit verbundene Frage, ob es sich dabei um ein Ende der Epoche des Neoliberalismus handelt. Britische Intellektuelle, die einst die Zeitschrift Marxism Today herausgegeben haben (Eric Hobsbawm, Stuart Hall, Martin Jacques u.a.) trafen sich im September 1998, um diese Frage zu diskutieren [17]. Hobsbawm vertritt dort die These: „Das Zeitalter des Neoliberalismus ist vorbei!“ Ich halte diese These für falsch. Die Sozialdemokratie setzt im Prinzip (nicht nur in Großbritannien) die Politik des Neoliberalismus – und die Strategie des Wettbewerbskorporatismus [18] – fort. Hier gibt es selbstverständlich Differenzierungen zwischen der Politik von New Labour unter Tony Blair und der Politik der französischen Linksregierung unter Lionel Jospin. Dennoch zeichnet sich weder auf der nationalen noch auf der europäischen Ebene – z.B. in der Anwendung des neuen beschäftigungspolitischen Kapitels des Amsterdamer EU-Vertrages – eine Neukonzeptionierung der Wirtschafts-, Beschäftigungs- und Sozialpolitik ab.

Schon gar nicht kann von einer Wende der deutschen Politik – nach dem Wahlsieg von SPD und Grünen im September 1998 – gesprochen werden. Unter Schröder (und Hombach) wird die SPD eher in Richtung von New Labour gehen. Die Richtung sozialdemokratischer Regierungspolitik entscheidet sich freilich nicht allein nach den Kalkülen von Wahlkampfmanagern, sondern sie reflektiert selbst noch die vorhandene oder zurückgehaltene Dynamik sozialer Kämpfe im eigenen Lande und sie reflektiert auch den Einfluß politischer Kräfte links von der SPD. In Deutschland sollte die Linke sich sehr viel intensiver mit der Frage befassen, welchen Beitrag sie dazu leisten kann, damit die PDS zu einer gesamtdeutschen, linkssozialistischen Kraft wird – diese Frage stellt sich zumal unter der Bedingung, daß die PDS den erneuten Einzug in den Bundestag geschafft hat, im Osten stabil geblieben ist und die Regierung Schröder/ Fischer mit dem Hinweis auf die „neue Mitte“ die Politik des Neoliberalismus fortsetzt.

Schließlich entwickelt sich derzeit eine Diskussion in den Gewerkschaften, die angesichts der sich fortsetzenden Krise (und Schwäche) der DGB-Gewerkschaften, vor allem aber auch angesichts des Anpassungskurses – nicht nur des DGB-Vorsitzenden, sondern viele Gewerkschaftsvorstände und der Hans-Böckler-Stiftung [19] – auf eine stärkere Vernetzung und Organisierung der Gewerkschaftslinken abzielt. Es geht dabei nicht darum, feste Organisationskonzepte umzusetzen oder gar eine neue RGO zu gründen. Es wäre schon ein Fortschritt, wenn es uns gelänge, mit einer gewissen Kontinuität die politische Artikulation und Diskussion der Gewerkschaftslinken zu ermöglichen und dabei gleichzeitig Bausteine einer programmatischen Plattform zu erarbeiten, die nach den gewaltigen Veränderungen und Umwälzungen der vergangenen Jahre als unverzichtbare Selbstbeschreibung eines Programms der politischen und gewerkschaftlichen Linken zu gelten hätten [20]. Das ist gewiß keine einfache Aufgabe!

Es gibt also nicht nur Grund zum Skeptizismus und Pessimismus; es gibt zahlreiche Ansatzpunkte für praktisches und theoretisches Engagement. Es gibt sogar Ansätze, die zur Hoffnung auf eine Erneuerung der marxistischen Dialektik berechtigen. Wir können dabei viel von Leo Kofler lernen. Seine Biographie vermittelt uns ein Beispiel für Mut, Standhaftigkeit und Gradlinigkeit – die auch wir brauchen, um die Krise der Linken am Ende des 20. Jahrhunderts zu überwinden. Und wir haben theoretisch von ihm zu lernen; denn zur Wiederbelebung eines lebendigen Marxismus, der auf die theoretische und praktische Kritik bestehender, unmenschlicher Herrschaftsverhältnisse zielt, gehört auf jeden Fall auch die Aneignung des Lebenswerkes von Leo Kofler.

Anmerkungen

1 Vgl. Martin Jander, Theo Pirker über „Pirker“. Ein Gespräch, Marburg 1988, S. 85. In diesem Zusammenhang weist Pirker übrigens auf die außerordentlich schlechten Lebensbedingungen von Kofler in Köln hin. Allerdings äußert sich Pirker ausgesprochen negativ über den Beitrag der zusammengerufenen Wissenschaftler: „Das Ergebnis war niederschmetternd“. Das mag auch damit zusammenhängen, daß Pirker sich selbst die Autorenschaft der Rede zuschreibt: „Also ich hab‘ die Rede gemacht…“ (ebd., S. 86). Die Eitelkeit der Intellektuellen war in der Arbeiterbewegung wahrscheinlich nicht geringer als im bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb. Wolfgang Abendroth geht in seinen autobiographischen Gesprächen (Ein Leben in der Arbeiterbewegung, Frankfurt / Main 1976) ebenfalls kurz auf die Vorbereitung der Agartz-Rede von 1954 ein (S. 224).

2 Vgl. dazu die Erinnerung von Dieter Posser, Anwalt im Kalten Krieg. Ein Stück deutscher Geschichte in politischen Prozessen 1951 – 1968, München 1991; zur politischen Strafjustiz dieser Periode vgl. jetzt auch Heinrich Hannover, Die Republik vor Gericht. 1954 – 1974. Erinnerungen eines unbequemen Rechtsanwaltes, Berlin 1998.

3 Wolfgang Abendroth, Bilanz der sozialistischen Idee in der Bundesrepublik Deutschland, in: ders., Antagonistische Gesellschaft und politische Demokratie, Neuwied und Berlin 1967, S. 429 ff., hier S. 456.

4 Vgl. Peter von Oertzen, Behelfsbrücken. Linkssozialistische Zeitschriften in der Ära der „Restauration“ 1950 – 1962, in: M. Buckmiller und J. Perels (Hrsg.), Opposition als Triebkraft der Demokra-tie, Jürgen Seifert zum 70. Geburtstag, Hannover 1998, S. 87 ff.

5 Vgl. dazu u.a. Frank Deppe, Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) – Keimzelle der Bewegung von 1968? in: Buckmiller / Perels, Hrsg., a.a.O., S. 112 ff.

6 Vgl. den Artikel von Leo Kofler „Elite“ in dem von W. F. Haug herausgegebenen Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus, Band 3, Hamburg 1997, S. 268 – 272.

7 „Das Ideal der Sozialdemokratie muß nicht der Sekretär einer Trade Union, sondern der Volkstribun sein, der es versteht, auf alle Erscheinungen der Willkür und Unterdrückung zu reagieren, wo sie auch auftreten mögen, welche Schicht oder Klasse sie auch betreffen mögen, der es versteht, an allen diesen Erscheinungen das Gesamtbild der Polizeiwillkür und der kapitalistischen Ausbeutung zu zeigen, der es versteht, jede Kleinigkeit zu benutzen, um vor aller Welt seine sozialistischen Überzeugungen und seine demokratischen Forderungen darzulegen, um allen und jedermann die welthistorische Bedeutung des Befreiungskampfes des Proletariats klarzumachen“ W. I. Lenin, Was tun?, in: ders., Ausgewählte Werke in drei Bänden, hier Band 1, Berlin 1964, S. 212/3.

8 Vgl. Leo Kofler, „Die Kritik ist der Kopf der Leidenschaft“. Aus dem Leben eines marxistischen Grenzgängers. Ein Gespräch anläßlich seines 80. Geburtstages, Hamburg: VSA 1987.

9 Diese Möglichkeit diskutiert, ohne schon in einen grenzenlosen Pessimismus zu verfallen, Perry Anderson in seinem Buch „Zum Ende der Geschichte“, Berlin 1993, S. 143 ff. Auch Eric Hobsbawm hat in seiner Jahrhundertbilanz (Zeitalter der Extreme“) am Ende eher pessimistisch über die Zukunft des grenzen- und alternativlosen Kapitalismus – als eines neuen Zeitalters der Barbarei – nachgedacht.

10 Dabei gibt es die alte Arbeiterbewegung schon seit längerem nicht mehr; als Arbeiterbewegung können heute noch Teile der Gewerkschaften bezeichnet werden.

11 Vgl. dazu z.B. Dieter Plehwe / Bernhard Walpen, Wissenschaftliche und wissenschaftspolitische Produktionsweisen im Neoliberalismus, in: Prokla, Heft 115, 29. Jg., 1999, Nr. 2, S. 203 – 235.

12 Richard Rorty hat diese Position in verschiedenen Interviews – auch hierzulande – geäußert. Außerdem hat er sie in einem Buch mit dem Titel: „Achieving our Country. Leftist Thought in 20th Century America“ (Cambridge 1998), das inzwischen auch in deutscher Sprache vorliegt, ausführlicher begründet.

13 Vgl. dazu z.B. Ellen M. Wood u.a., Die Einheit beginnt zu Hause. Über den Zustand der Arbeiterbewegung in den USA, Supplement der Zeitschrift Sozialismus, 2/1998; Kim Moody, Das neue Proletariat. Gewerkschaften im „globalisierten“ Kapitalismus, Supplement der Zeitschrift Sozialismus, 2/1999.

14 Vgl. dazu u.a. Michel Winock, Le siècle des intellectuels, Paris 1997.

15 Vgl. dazu Pierre Bourdieu u.a., Perspektiven des Protestes. Initiativen für einen europäischen Wohlfahrtsstaat, Hamburg 1997. Es handelt sich dabei um die Dokumentation einer Konferenz im Frankfurter Gewerkschaftshaus.

16 Karl Georg Zinn, Jenseits der Markt-Mythen, Hamburg 1997.

17 Vgl. Stuart Hall u.a., Tod des Neoliberalismus – Es lebe die Sozialdemokratie? Supplement der Zeitschrift Sozialismus, 1/1999.

18 Vgl. dazu Hans-Jürgen Bieling und Frank Deppe, Europäische Integration und Industrielle Beziehungen. Zur Kritik des Konzeptes des „Wettbewerbskorporatismus“, in: Horst Schmitthenner / Hans-Jürgen Urban (Hrsg.), Sozialstaat als Reformprojekt, Hamburg 1999, S. 275 – 300.

19 Zur Kritik der Ideologie der „neuen Sozialpartnerschaft“ und der neuen Mitbestimmungskonzeption, wie sie in einem gemeinsamen wissenschaftlichen Gutachten (unter der Federführung von Prof. Wolfgang Streeck, Köln) von der -Böckler-Stiftung und Bertelsmann-Stiftung 1998 vorgelegt wurde, vgl. Frank Deppe, Von der Wirtschaftsdemokratie zur Standortpflege. Der Preis der neuen Sozialpartnerschaft, in: R. Dreßler u.a. (Hrsg.), Jenseits falscher Sachzwänge. Detlef Hensche zum 60. Geburtstag, Hamburg 1998, S. 75 – 98. 20 Vgl. u.a.. Frank Deppe, Zäsuren im Übergang in das 21. Jahrhundert. Neue Herausforderungen für die Konstituierung einer gewerkschaftlichen Linken, in: Redaktion Sozialismus / Redaktion express (Hrsg.), Perspektiven der Gewerkschaftslinken, Supplement Sozialismus 7-8/99 und express 6-7/99, S. 4- 13.